Um 7 Uhr weckte mich meine innere Uhr. Ich genoss die Ruhe und blieb noch einwenig liegen. Gegen 8 Uhr machte ich mich wieder auf den Weg. Ein Zwischenhalt am Seeufer für eine „Katzenwäsche“ und an einem Supermarkt für das Frühstück und Zwischenverpflegung durfte natürlich nicht fehlen.
Um halb 11 Uhr startete ich in am Hafen von Limone auf 80müM meine Mountainbike-Route, die ich zuvor aus dem Buch „Gardasee GPS Bikeguide 4“ ausgesucht hatte (Route 526).
Zum Aufwärmen führte es mich etwa 2 km auf der Strasse dem See entlang. Nach dem Tunnel ging es dann in die Höhe.
Nach den ersten Kehren wurde es bereits spektakulär. Ausserhalb des Strassentunnels gibt es noch Reste der alten Strasse, die kühn in de Feldwand geschlagen wurde und für die Mountainbikes derzeit noch befahrbar ist. Ich schraubte mich nach oben und war bald im Canyon des Valle Brasa. Unglaublich, dass hier eine Strasse durchführt. Eng rücken die Felswände aneinander. Trotz Hochsommer und strahlendem Sonnenschein war es hier kühl und dunkel. Schliesslich macht die Strasse noch eine 360°-Kehrtwende und überquert sich selbst – fantastisch!
Ich schraubte mich weiter nach oben bis nach Vesio. Hier gönnte ich mir die verdiente Mittagspause.
Nach Vesio fing dann bald der Pass an. Es ging immer höher und höher, Kurve um Kurve. Im ersten Gang trete ich den Berg hinauf. „Wird es immer steiler oder schwindet langsam die Kraft?“, fragte ich mich selbst. Ich denke, beides war richtig. Alleine war ich nicht, denn die Stimmen aus dem Radio begleiteten mich. Italienische Radios haben etwa 50% Gequatsche, 30% Werbung (also auch Gequatsche) und die restlichen 20% kommt dann Musik. Die Sonne brennt mir auf den Rücken und auch die Wärme vom Asphalt spüre ich auf meiner nassgeschwitzten Haut. Doch die herrliche Aussicht, die mir zwischendurch gewährt wurde, entschädigte alles.
Irgendwann kam ich dann oben auf fast 1300müM an, nach ziemlich genau 3 Stunden ununterbrochenes Bergauffahren. Von nun an ging es auf angenehmen Schotter Abwechslungsweise etwas runter, hoch und gerade aus. Einige andere Biker überholte ich. Wo kamen die alle auf einmal her? Die Aussicht von hier oben war einfach atemberaubend schön!
Irgendwann kam ich an eine Kreuzung. Mein GPS zeigte nach rechts in das schmale, steile und mit Geröll überhäufte „Wägli“, das eher einem ausgetrockneten Bachbeet eines Wildbaches gleicht. „Ist das der Richtige Weg?“, fragte ich mich selbst und bog mit etwas Skepsis ab. Es war aber der Richtige Weg. Der Trail war echt knifflig; enge Spitzkehren in sehr steilem Gelände, gepaart mit Geröll und Steinstufen. Ich musste dauernd aufpassten, dass ich nicht in die tiefen Furchen kam, die das Wasser hier bei Regen gegraben hatte.
Weiter unten ist der ursprüngliche Karrenweg aus dem ersten Weltkrieg wieder hergestellt worden. Es war nun wieder leichter zum fahren. Zum Glück, denn meine Konzentration konnte nicht ewig auf diesem hohen Niveau bleiben.
Schliesslich erreichte ich wohlbehalten die ersten Häuser von Limone und war begeistert von dieser abwechslungsreichen Tour, dass die Beschreibung „atemberaubende Tour durch das spektakuläre Valle Brasa, kombiniert mit super Trailabfahrt im Valle del Signol“ wirklich verdient hat.
Ich blieb noch auf dem Bike und suchte mir in Limone noch ein Campingplatz für eine Nacht. Schon beim Ersten war ich erfolgreich, obwohl es vor zwei Tagen per Email noch hiess „Sorry, wir sind voll“.
Nachdem ich den Bus geholt hatte und mich einrichtete, genoss ich den restlichen Nachmittag am See. Endlich Abkühlung!
Hier noch die Videozusammenfassung meiner Helmkamera. Leider war der Canyon und der schwierige Trail nicht auf dem Video enthalten.